Zum dritten Mal prämiert Ziegelproduzent Wienerberger die beste internationale Ziegelarchitektur. Von fünf Preisträgern gewinnen drei Schweizer Vectorworks-Anwender den ersten und zweiten Platz sowie einen Sonderpreis.
Basel/Lörrach, 1. Mai 2008. Der weltweit größte Ziegelproduzent, die Wienerberger AG, verlieh im April 2008 zum dritten Mal den mit insgesamt 21.000 Euro dotierten Brick Award. Seit 2004 zeichnet Wienerberger mit dem „Brick Award“ alle zwei Jahre die kreativsten Ziegelarchitekturen aus. Zum Brick Award 08 wurden 255 Projekte aus 19 Ländern durch Architekturkritiker eingereicht. Eine hochkarätig besetzte internationale Expertenjury unter dem Vorsitz des britischen Architekten George Ferguson kürte drei Sieger aus der Schweiz und Finnland, außerdem wurden zwei Sonderpreise in die Schweiz und in die Niederlande vergeben. Bei der Wahl der prämierten Einreichungen waren neben der innovativen äußeren architektonischen Gestaltung und dem Umgang mit dem Material, auch die Funktionalität der Gebäude ausschlaggebende Kriterien. Neben dem britischen Architekten George Ferguson gehörten Ferenc Cságoly, einer der beiden Sieger des Brick Award 06, sowie die Architekten Lipa Goldstein aus Frankreich, Mart Kalm aus Estland und Ryszard Jurkowski aus Polen, der unabhängigen Expertenjury an.
1. Platz: Peter Zumthor, Museum Kolumba, Köln
Lob der Langsamkeit - In keiner deutschen Stadt lässt sich die Wucht der abendländischen Glaubenskultur auch in der Architektur so deutlich spüren, wie in Köln. Ehern behaupten sich die Gotteshäuser im von Verkehr und Kommerz verwüsteten Stadtkern. Über und neben den Ruinen der 1943 zerstörten Kirche Sankt Kolumba hat Architekt Peter Zumthor vielleicht sein bislang schönstes Haus gebaut: das Museum für die Sammlung des Erzbistums Köln. Es ist seit September 2007 geöffnet.
Ein ganz spezieller Ziegel und das Pullovermauerwerk - Jenseits des Spektakulären zeigt es sich schlicht und sinnlich. Einerseits durch die Verwendung eines bestimmten Ziegels, der mit den graugelben Fassaden der Umgebung harmoniert. Andererseits durch sein Filtermauerwerk, im Büro Zumthor auch „Pullovermauerwerk“ genannt. Durch seine strickwarenähnliche Transparenz sorgt es für Licht- und Temperaturverhältnisse, die der Kunstsammlung zugute kommen.
Peter Zumthor hat sich in unserer, von Produktionshektik geprägten Zeit nicht hetzen lassen. Er ließ in aller Ruhe und mit großer Sorgfalt ein Haus entstehen, das – der beherbergten Kunstsammlung entsprechend - herkömmlich und heilig zugleich ist. (Ursula Baus)
Das Museum Kolumba in Köln von Peter Zumthor wurde am 15.9.2007 eröffnet.
2. Platz: Bearth & Deplazes Architekten AG, Erweiterung eines Weinguts in Fläsch, Schweiz
Steinerne Leichtigkeit - Die Fläscher Winzer Martha und Daniel Gantenbein nahmen den Erfolg ihres Pinot Noir zum Anlass, ihre Stahltanks durch Eichenfässer zu ersetzen. Sie beauftragten die Architekten Bearth & Deplazes mit Planung und Bau einer neuen Gärhalle für zwölf der neuen Behälter. In einem Geschoß darüber sollte eine Degustierlounge geplant werden.
Robo-Bricks und Terroir-Prinzip - Das Weingut in Fläsch pflegt das Terroir-Prinzip. Danach soll sich das Lokalkolorit – Boden, Kleinklima, örtliche Tradition und die Handschrift der Weinmacher – direkt im Wein widerspiegeln. Ein sensibler Umgang mit Raum, Temperatur und Licht ist dafür erforderlich. Dem wurde durch den Einsatz spezieller Mauerelemente Rechnung getragen. Studierenden des Lehrstuhls für Architektur und digitale Fabrikation an der ETH Zürich haben sie am Computer entworfen. Ein Roboter hat sie gebaut.
Die Architekten Bearth & Deplazes nutzten die Präzision und Schnelligkeit des Roboters und das von Fabio Gramazio und Matthias Kohler initiierte digitale Mauerbau-Verfahren für ihre ausgefallene aber thematisch dem Weingut angepasste Architektur: eine Wand, die aussieht, als wäre sie von überdimensionalen Weinbeeren durchdrungen. Ein neues Stück Fläsch ist entstanden. Es wird den Anforderungen der Weingutbesitzer gerecht: ein Lichttempel von berauschender Leichtigkeit. (Martin Grether)
Sonderpreis: Markus Wespi, Jérôme de Meuron Architekten BSA, Wohnhaus in Morcote, Schweiz
Erdige Einfachheit - Der Tessin ist die touristische Sonnenstube der Schweiz; es wimmelt dort nur so von gesichtslosen Zweitwohnungsbauten. Gerade in diesem Kanton ist Markus Wespi und Jérôme de Meuron gelungen, was gute Architektur ausmacht: zeitgemäß und zugleich im Einklang mit der Umgebung zu bauen.
Backsteinkubus mit See-Panorama - Oberhalb von Morcote, dem direkt am Luganersee gelegenen ehemaligen Fischerdorf, errichteten die Architekten ein Ferienhaus inklusive Einrichtung. Rund um das neue Haus stehen architektonisch durchschnittliche Villen. Der einfache Backsteinkubus hebt sich von seiner gebauten Umgebung deutlich ab. Er besteht aus gebranntem Ton, dem in der traditionellen Architektur des Tessins üblichen
Material. Die ideelle Nähe zum Dorfkern wird so eindeutig sichtbar. Spuren der Landschaft und der dörflichen Tradition spiegeln sich auch im Inneren des Hauses wider. Von der Eingangshalle bis zum obersten Geschoss; dort, in der Wohnloggia, bietet sich ein beeindruckendes See-Panorama, dank der frontseitigen vollständig geöffneten Fassade.
Die Architekten Wespi und de Meuron haben sich von der südlichen Idylle des Tessins inspirieren lassen, ohne dabei zu vergessen, dass der Tessin ein Schweizer Kanton ist. (Martin Grether)
Weitere Preise gewnnnen Tuomo Si i tonen, Esko Valkama für sein IT-Haus und T. M. Rau mit der Hauptverwaltung des niederländischen WWF, Niederlande. Das Vectorworks-Team von ComputerWorks gratuliert herzlich allen Preisträgern.