Falls Sie bereits unseren Artikel "Was ist BIM und weshalb ist es wichtig" gelesen haben, kennen Sie bereits die grundlegenden Konzepte von Building Information Modeling (BIM).
In diesem Kapitel der Vectorworks BIM-Einführung gehen wir näher darauf ein, wie BIM funktioniert und welche traditionellen Arbeitsabläufe durch BIM optimiert werden.
Inhalte auf einen Blick:
Der BIM-Prozess
BIM ist kein einzelnes Tool, sondern eine Technologie für einen umfassenden Workflow, der die Planung, den Bau und den Betrieb von Gebäuden optimiert.
Häufig bezeichnen Fachleute ihr Modell als ihr "BIM" – eine gängige, aber eingeschränkte Nutzung des Begriffs. Vielmehr beschreibt BIM eine Arbeitsweise, wie in "Wir setzen dieses Projekt mit BIM um".
BIM lässt sich am besten als ein strukturierter Prozess oder Workflow verstehen, der bestehende Planungs- und Bauabläufe erweitert und verbessert. Dieser Artikel beleuchtet, welche Veränderungen BIM für das Bauwesen in den verschiedenen Projektphasen mit sich bringt.

Die Vorentwurfsphase
In der traditionellen Vorentwurfsphase treffen sich die wichtigsten Projektbeteiligten, um ihre Anforderungen und Erwartungen zu besprechen und Machbarkeitsstudien durchzuführen. Zu diesen Studien gehören die Geländeanalyse, die Programmanforderungen und die Raumbedarfsplanung sowie die Kostenabschätzung. Der wesentliche Unterschied in einem BIM-Workflow ist der sogenannte BIM-Projektabwicklungsplan (BAP).
Der BIM-Projektabwicklungsplan definiert die Struktur und die Verantwortlichkeiten für die Vorentwurfsphase, in der viele wichtige Entscheidungen für den Projekterfolg getroffen und digital zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden. Im BAP sind auch die Projektstrukturen festgelegt, die die zu planenden Objekte richtig gliedern.
Der BAP legt die Rollen, Zuständigkeiten und Zeitpläne für die Beteiligten klar fest. Er ist im Wesentlichen ein Fahrplan für den Informationsaustausch. Außerdem wird darin festgelegt, welche Software, Hardware und IT-Infrastruktur erforderlich ist und definiert die Prozesse für die digitale Zusammenarbeit.
Durch diesen strukturierten Ansatz wird die Vorentwurfsphase effizienter und transparenter. Hier finden Sie weitere Informationen dazu, wie Sie Ihre Projektziele abklären, welche zuständigen Personen Sie bestimmen und was für CAD-Daten Sie organisieren und prüfen sollten. Unsere Reihe zur BIM-Einführung in Unternehmen hilft Ihnen, die richtigen Abklärungen im Vorfeld eines BIM-Projekts zu treffen.
Die Entwurfsphase
Die Entwurfsphase eines Bauprojekts umfasst das Verständnis und die Definition der Projektparameter, die Ausarbeitung erster Skizzen und Modelle, die das Bauvorhaben visualisieren, und die Entwicklung des Gesamtbudgets. Ein BIM-Prozess bringt über gemeinsame Datenstandards Automatisierung und effektivere Methoden der Zusammenarbeit in den traditionellen Arbeitsablauf.
Sobald sich alle Beteiligten auf die Projektparameter geeinigt haben, besteht der nächste Schritt darin, vorläufige Entwürfe zu erstellen, die den Modellanforderungen entsprechen. Dazu kann das Skizzieren von Ideen auf Papier gehören oder die Verwendung von 3D-Modellierungssoftware, um detaillierte Visualisierungen möglicher Lösungen zu erstellen.
Änderungen oder Aktualisierungen sollten von allen Beteiligten überprüft werden, wie es im BIM-Ausführungsplan festgelegt ist. Auf diese Weise können alle notwendigen Änderungen vorgenommen werden, bevor mit der weiteren Entwicklung fortgefahren wird. Der BIM-Prozess – insbesondere der in der Vorentwurfsphase vereinbarte BIM- Projektabwicklungsplan – legt genau fest, wie und wann dieser Informationsaustausch erfolgen soll. BIM-Standards wie der Level of Information Need (LOIN) und der Level of Development (LOD) definieren den Detaillierungsgrad von Informationen und Entwicklung.
Als letzter Schritt in dieser Phase wird ein Kostenvoranschlag erstellt, um festzustellen, ob der Entwurf mit dem vom Bauherrn festgelegten Budget übereinstimmt. Mit dem BIM-Prozess wird der Entwurf einfacher, da die Konzeptzeichnungen und -Modelle relevante Projektdaten enthalten. Eine gute BIM-Software kann diese Informationen automatisch in Berechnungen und Tabellen übernehmen und die Budgetprognose automatisch und schneller machen.
Die Planungsphase
Während dieser Phase werden Pläne, Schnitte und Ansichten weiterentwickelt und Details wie Fenstergrößen, Wandstärken und Materialien hinzugefügt. BIM sorgt in dieser Phase mit dem zentralen digitalen Gebäudemodell dafür, dass die Beteiligten genau verstehen, wie die einzelnen Gewerke miteinander interagieren, um ein einheitliches Ganzes zu schaffen, das den Erwartungen entspricht.
Traditionell geht es in dieser Phase darum, frühere Entwurfsentscheidungen zu verfeinern und detailliertere Modelle zu erstellen. Die gleichen Ziele werden auch mit BIM-Workflows verfolgt. Der Unterschied besteht darin, dass die BIM-Methode es allen am Projekt Beteiligten ermöglicht, Informationen über ein gemeinsames Dateiformat auszutauschen, wodurch das Potenzial für kostspielige Fehler und Kollisionen kleiner wird, da alle Beteiligten ihre Arbeit nahezu in Echtzeit koordinieren können.
Die Baudokumentationsphase
In der Phase der Baudokumentation erstellt das Team detaillierte Baupläne und Spezifikationen, die als Grundlage für die Bauausführung und Ausschreibungen dienen. Diese Dokumente müssen so detailliert wie möglich sein. Die Verwendung von BIM reduziert den Zeitaufwand für diesen Prozess, da die meisten Elemente bereits in einem Computermodell erzeugt wurden, auf das dann alle Projektbeteiligten leicht zugreifen können.
In dieser Phase planen die Architekt:innen jedes Bauteil des Gebäudes und seiner Systeme im Detail und geben genaue Maße für alle Bauteile an. Dazu gehören Wände, Fenster, Türen, Sanitäranlagen, elektrische Systeme und vieles mehr. Die Pläne müssen auch Informationen über die Materialien enthalten, die während des Baus verwendet werden sollen. Die BIM-Zusammenarbeit ist in dieser Phase von großem Vorteil, da die Projektbeteiligten komplexe Systeme zentral im Gebäudemodell koordinieren und differenzierte Probleme angehen können, die normalerweise auf der Baustelle auftreten würden.
Einer der Vorteile von BIM in der Baudokumentation ist die Automatisierung von Mengenermittlungen (seit Version 2023) und Spezifikationen. Da die Daten bereits mit dem BIM-Modell verknüpft sind, reduziert die BIM-Software den manuellen Aufwand erheblich.
Für Genehmigungen sind oft spezielle Zeichnungen mit Informationen zum Brandschutz oder Flucht- und Rettungswegen erforderlich. Diese Zeichnungen können mit einem BIM-Workflow leicht erstellt werden, da diese Informationen bereits im 3D-Modell vorhanden sind.
BIM-Grundlagenzertifikat
Mit der Einführung in mittlerweile 25 Ländern und 15 Sprachen gehört dieses internationale Grundlagenzertifikat zum weltweitern Standard bei der Grundlagenausbildung für Open BIM. Es basiert auf den internationalen buildingSMART-Standards und der ISO 19650.
ComputerWorks ist offizieller Schulungspartner von buildingSMART Deutschland. Der Online-Kurs bereitet auf die Prüfung nach den Anforderungen des Foundation-Zertifikats von buildingSMART/VDI vor.