Bauwerk mit Vorbildfunktion für das digitale Bauen mit Holz Projekt „Haus des Holzes“ gewinnt Schweizer Arc-Award

Der neue Firmensitz der Pirmin Jung Schweiz AG in Sursee, das „Haus des Holzes“, gewinnt in der „Kategorie BIM: Zukunftsweisende Entwicklungen“ den renommierten Schweizer Arc-Award. Der Architekt Marc Syfrig, langjähriger Vectorworks-Anwender, und Bauherr Pirmin Jung nutzen im Projekt die Eigenschaften von Holz und fügen verschiedene innovative Technologien wie die BIM-Planung in hoher Qualität zusammen.

Die Schweizer Baudokumentation verlieh 2021 zum achten Mal den Arc-Award, einen der renommiertesten Schweizer Architektur-Preise. An der virtuellen Preisverleihung gewann das Projekt „Haus des Holzes“ in der „Kategorie BIM: Zukunftsweisende Entwicklungen“ den ersten Preis.

Birgitta Schock, Jurypräsidentin des Arc-Awards, Architektin und Vorstandsmitglied bei SIA, dem Netzwerk digital und Fellow von „buildingSMART International“, lobt das Projekt als unglaublich überzeugend. Sie ergänzt, dass das erschaffene Regelsystem als Standard für alle Projektdokumentationen gelten kann.

Das Vorzeigeprojekt für das digitale Bauen mit Holz

„Holzbauten im städtischen Kontext sind noch selten“, sagt Architekt Marc Syfrig und betont: „Es wird ein architektonisch und ökologisch spektakuläres Haus und mir ist kein anderes Projekt aus Holz mit einem solch kompromisslosen Ansatz in einer Stadt bekannt.“

Architekt Marc Syfrig und Bauherr Pirmin Jung verfolgen mit dem neuen Firmensitz verschiedene Ziele. Einerseits wollen sie zeigen, wie man zukünftig bauen soll. Das wegweisende Bauprojekt berücksichtigt die Nachhaltigkeit gesamtheitlich in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Andererseits versuchen sie, die Eigenschaften von Holz zu nutzen und verschiedene innovative Technologien in hoher Qualität zusammen zu fügen.

Mit dem BIM-Management im Lead
Und als weiteren Aspekt setzen Architekt und Bauherr das digitale Planen und Bauen um. Seit 2013 befassen sie sich als Ingenieurbüro für Holzbau, Brandschutz und Bauphysik mit der Implementierung von VDC (Virtual Design and Construction) und BIM in ihre Arbeitsabläufe. Bisher haben sie viele Erfahrungen zu Potenzial, Grenzen und Abhängigkeiten von diesen Methoden gesammelt und viele interne Abläufe effektiver gestaltet.

Da sie üblicherweise in den Projektorganisationen in der Rolle von Fachplanenden agieren, können sie diese Erfahrungen aber nur sehr beschränkt in Projekte einbringen. Bei der Planung und Ausführung des neuen Firmensitzes sind sie nun aber mit dem BIM-Management im Lead, setzen ihr bisher erarbeitetes VDC-Know-how um und bauen ihre Erfahrungen weiter aus.

Schweizer Architekturpreis Arc-Award 2020/21

Die Preisverleihung des Architekturwettbewerbs Arc-Award fand 2021 zum achten Mal statt. 331 Projekte wurden zwischen April 2020 und Januar 2021 eingereicht. Achtzehn davon waren nun für einen der Preise in den sechs Wettbewerbskategorien nominiert. Sieger der Kategorie BIM: zukunftsweisende Entwicklungen ist das „Haus des Holzes“ von Pirmin Jung Immobilien AG.

Das Projekt ist eine Teamleistung
„Die Freude ist riesig, dass wir den Arc-Award gewinnen durften“, sagt Pirmin Jung, Bauherr des Projektes, und fügt an: „Es ist ein großer Dank und eine schöne Wertschätzung für das gesamte Projektteam und für die tolle Zusammenarbeit. Das Projekt Haus des Holzes ist eine Teamleistung. Als nächsten Schritt ist es spannend, das (digitale) Projekt auf die Baustelle zu bringen, gemeinsam mit den Unternehmern zusammen da weiter zu bauen bis zum Bezug im Sommer 2022 – ohne Pläne, sondern wirklich nur mit dem BIM-Modell."

Einblick in den Prozess des digitalen Bauens

Die Laudatio von Jurymitglied Martin A. Fischer, Professor für Bauingenieurswesen und Umwelttechnik an der Stanford University in Kalifornien und Director des Center for Integrated Facility Engineering (CIFE), beschreibt das Projekt aus Sicht von VDC&BIM sehr umfassend und treffend: „Die Planung des „Haus des Holzes“ demonstriert, wie ein integriertes Projektteam durch die offene Kommunikation mittels BIM eine anspruchsvolle Bauaufgabe gut meistern kann. Die Zusammenarbeit erfolgte über VDC (BIM-Methode).“

BIM in innovativer und zukunftsweisender Form
Die Firma Pirmin Jung ist normalerweise als Fachplaner für Holzbau in Bauprojekten involviert. Beim Bau des „Haus des Holzes“ fungierte sie aber als Bauherr. Diese Möglichkeit nutzte die Firma, um BIM in innovativer und zukunftsweisender Form einzusetzen. Die Projektziele wurden holistisch und spezifisch definiert. Gemeinsam entschied das Team, wie das Gebäude nachhaltig erstellt, genutzt und betrieben werden könnte. Dabei wurden auch die dafür notwendigen projektspezifischen Datenstrukturen erstellt.

Beispielsweise strukturieren ineinander verschachtelte Datencontainer die Informationen zu den Bauteilen, Räumen, Gebäude, Grundstück etc. und verbinden sie mit den Projektzielen. So wird die typische Projekthierarchie durch ein Projektsystem ersetzt. Je nach Projektziel übernehmen dabei die passenden Fachplaner die leitende Rolle. Dieses Projektsystem erlaubt und erfordert eine produktive Zusammenarbeit beim Erstellen der gemeinsamen Projektinformationsbasis.

Planung mit den richtigen Prioritäten
Das schafft ein Klima des Zusammenhalts im Projektteam. Die Informationsstruktur dieses Projekts zeigt gegenseitige Abhängigkeiten auf und stellt visuell dar, wo noch Informationen fehlen. Dies erlaubt den Projektteilnehmern, die Planung mit den richtigen Prioritäten voranzutreiben. Durch Prozessmetriken wird dem Team auch gezeigt, wie es sich noch am ehesten verbessern kann.

Dieses Projekt ist zukunftsweisend, weil es nicht nur BIM im Rahmen der typischen Arbeitsprozesse einsetzt, sondern ein neues BIM-basiertes System zur Projektplanung vorstellt.

Weitere Informationen zum digitalen Prozess und die Eingabeunterlagen zum ArcAward 20/21 finden Sie hier.