Vorgestellt und nachgefragt Richard Diehl Award für Michelle Wanitzek

Wir stellen Euch die Gewinner:innen des Vectorworks Stipendiums 2022 im Rahmen unserer Blogserie „Vorgestellt und nachgefragt“ vor. Den Anfang macht Michelle Wanitzek, die für ihren Entwurf das Vectorworks Stipendium im Bereich Innenarchitektur sowie den internationalen Richard Diehl Award erhalten hat.

Der Entwurf „Nomad Coworking“ von Michelle Wanitzek

Michelle Wanitzek von der Hochschule Wismar wurde im Rahmen des Vectorworks Stipendiums 2022 gleich doppelt ausgezeichnet: Durch ihren Sieg im Bereich Innenarchitektur qualifizierte sie sich für den internationalen Richard Diehl Award, welchen sie ebenfalls gewinnen konnte.

Ihr Entwurf „Nomad Coworking“ beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Coworking-Spaces inklusive Café in einem denkmalgeschützten Gebäude. Eine große Herausforderung stellte der Umgang mit dem geschützten Bestand dar, der sich aufgrund zu geringer Geschosshöhen als nicht nutzbar herausstellte. Es folgte eine Entkernung, eine neue Tragstruktur sowie neue Geschossflächen. Die denkmalgeschütze Fassade bleibt bestehen während im Inneren ein neuer Kern sichtbar wird, der das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich macht.

„Mutig, kreativ und konsequent“

Jurymitglied Prof. Dipl.-Ing. Oliver Hantke begründet die Entscheidung für den Entwurf:

„Die Arbeit zeigt auf beeindruckende Art und Weise eine große Bandbreite an innenarchitektonisch relevanten Themenbereichen. Mit progressiver Haltung zum Denkmalschutz entwirft sie inmitten der Wismarer Altstadt eine Infrastruktur, die zur Revitalisierung der Stadt dient und das Denkmal in beeindruckender Art und Weise in eine neue Nutzung überführt.“

Auch Jurorin und Diplom (FH) Innenarchitektin BDIA Birgit von Moltke zeigt sich begeistert:

„Mutig, kreativ und konsequent gelingt es Michelle Wanitzek in ihrem Projekt Bauen im Bestand und Innenraumgestaltung in der Innenarchitektur ganzheitlich zu planen.“

Michelle Wanitzek

Wir haben Michelle zu ihrem Projekt befragt:

Wie verlief Dein Entwurfsprozess?

„Mein Masterentwurf stellte mich vor die große Herausforderung, einen für mich vertretbaren Umgang mit einem denkmalgeschützten Gebäude zu entwickeln, welches aufgrund unzureichender Deckenhöhen vom anhaltenden Leerstand betroffen ist. Ich halte es für unabdingbar, trotz großer Befürwortung des Denkmalschutzes, Kompromisse zum Erhalt solcher Bauten einzugehen, um dem Verfall durch Sanierungsstau in Folge von Leerstand entgegenzuwirken. Nach unzähligen Varianten bin ich letztendlich zu dem Entschluss gekommen, das Gebäude zu entkernen. Der Weg zu diesem Entschluss hat für mich äußerst viel Zeit in Anspruch genommen. Neben dem zeitlichen Stress hatte ich dennoch Spaß an der Entwurfsaufgabe.“

Was gefällt Dir an Deinem Entwurf am besten?

„Besonders gut gefällt mir die konsequente Differenzierung zwischen Altbestand und dem neu eingesetzten Kern. Die Fassade spiegelt mittels unterschiedlicher Bauphasen die Geschichte des Hauses wieder, während sich das Innere unseren heutigen Bedürfnissen anpasst. Das unkonventionelle Stahlskelett ermöglicht in diesem Fall eine aufgeräumte Konstruktion, die auch dazu beiträgt, das Gebäude langanhaltend nutzen zu können.“

Gibt es bei Deinem Entwurf Aspekte, die Du im Nachhinein anders angehen würdest?

„Ganz bestimmt. Je länger ich mein Projekt betrachte, desto mehr Ecken entdecke ich, für die man eine bessere Alternative hätte ausarbeiten können. Im großen Ganzen bin ich dennoch zufrieden.“

Modell des Entwurfs „Nomad Coworking“

Du hast bei Deinem Entwurf auch Vectorworks eingesetzt. Welche Funktionen fandest Du besonders hilfreich?

„Die Zeichnungen meines Projekts sind ausschließlich mit Vectorworks entstanden. Lediglich die Visualisierungen wurden in einem anderen Programm nachbearbeitet. Da ich neben Stift und Papier am liebsten am 3D-Modell entwerfe, schätze ich an Vectorworks insbesondere die intuitive Bedienung und schnelle Übersetzung von 2D-Objekten in Extrusionkörper. Anders als in vielen anderen CAD-Programmen, die sich auf das Konstruieren mittels Wänden und Decken konzentrieren, ist man bei Vectorworks durch zahlreiche zusätzliche Konstruktionsmethoden sehr frei.

Die Klassen, Konstruktions- und Layoutebenen helfen mir bei der Organisation meiner Projekte, während eigene Symbole und Materialitäten das Einbringen meiner persönlichen Handschrift ermöglichen. Generell empfinde ich Vectorworks als äußerst übersichtlich und verständlich.“

Welche Tipps kannst Du Studierenden geben, die darüber nachdenken, sich für das Vectorworks Stipendium zu bewerben?

„Sofern man mit seinem Projekt zufrieden ist, sollte man es einfach versuchen. Ich würde ihnen raten, es nicht allzu verbissen zu sehen. Wer sich keine zu großen Hoffnungen macht, wird bei einem Gewinn umso mehr überrascht.“

Wie sehen Deine Pläne nach dem Studium aus? Welche beruflichen Ziele verfolgst Du?

„Ich habe mich dazu entschlossen, zunächst weitere Berufserfahrungen in einem klassischen Architekturbüro zu sammeln. Irgendwann würde ich gerne den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ein eigenes kleines Büro gründen. Parallel würde mir eine Position in der Entwurfslehre Freude bereiten.“

Wir wünschen Michelle alles Gute auf ihrem Weg!