scape Landschaftsarchitekten BIM-Prozesse erfolgreich umgesetzt

Die Viega Gruppe ist ein international tätiges Familienunternehmen im Bereich der Sanitär- und Heizungstechnik. Am Gründungsstandort Attendorn entsteht derzeit ein neues Seminarcenter, für welches scape Landschaftsarchitekten ihre Planungen für die Freianlagen mit BIM und Vectorworks Landschaft umgesetzt hat.

Für das Viega Seminarcenter haben scape Landschaftsarchitekten BIM und Vectorworks Landschaft eingesetzt.

Viega Gruppe: BIM in allen Bereichen

Die Viega Gruppe, ein international tätiges Familienunternehmen im Bereich der Sanitär- und Heizungstechnik, plant am Gründungsstandort Attendorn den Neubau eines Seminarcenters in direkter Nachbarschaft zum Produktionsstandort.

Das Seminarprogramm soll nicht nur die komplexe Systemwelt der Viega thematisieren, sondern informiert Kunden darüber hinaus über die BIM-Methodik im Bereich der Sanitär- und Heizungstechnik. Die Planung und der Betrieb des Seminarcenters entsprechend der BIM-Methodik werden dadurch zu einem zentralen Bestandteil des Fortbildungsprogramms. Dieser Anspruch an das Gebäude verlangt einen gewerkeübergreifenden Planungsprozess entsprechend der BIM-Methodik durch alle Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) für alle Projektbeteiligten. Darüber hinaus stellt das BIM-Modell des Seminarcenters die informationstechnische Grundlage für das spätere Gebäudemanagement zur Verfügung.

Matthias Funk von scape Landschaftsarchitekten ist in diesem BIM-Prozess für die Freiraumplanung rund um das Seminarcenter zuständig und berichtet im Folgenden von seinen Erfahrungen mit Vectorworks Landschaft.

Einfache Zusammenarbeit dank einheitlichem Workflow

Zur Vorbereitung des integralen Planungsprozesses wurde ein umfassendes BIM-Lastenheft sowie ein detailliertes BIM-Konzept erarbeitet. Das BIM-Lastenheft definierte die BIM-Modellierung zunächst als Big Closed BIM. Mit Beginn der Bearbeitung zeigte sich jedoch, dass sowohl der Tiefbau als auch die Freianlagenplanung nicht optimal mit diesen Vorgaben arbeiten konnten, sodass die BIM-Modellierung zu einem Big Open BIM unter Verwendung von Vectorworks weiterentwickelt wurde.

Die vorgegebenen Modellierungsstandards wurden dann in Vectorworks realisiert, sodass eine vollständige Integration des Fachmodells Freianlagen über den IFC-Export in das BIM-Koordinationsmodell gewährleistet wird. Das BIM-Koordinationsmodell und die BIM-Zentraldatenbank wurden in der BIM-Management-Software Desite MD gepflegt.

Nachdem diese erste, für scape Landschaftsarchitekten relevante Hürde überwunden war, konnten auch alle weiteren BIM-Prozesse der Modellierung, der Planerstellung, der Attributierung, der Zeitplanung etc. beschrieben werden. Der generelle Workflow ist dabei bei allen Planern vergleichbar.

Marionette hilft bei Modellierung der Geländeoberflächen

Scape Landschaftsarchitekten haben ihr 3D-BIM-Modell in Vectorworks erstellt. Für die Freianlagenplanung existieren punktuelle intelligente Objekte wie Bäume, Bänke und Leuchten, die einfach zu handhaben sind. Bei der exakten Modellierung der Geländeoberflächen und Wegeaufbauten haben scape das Ziel verfolgt, exakte Oberflächenneigungen mit differenzierten Längs- und Quergefällen zu konstruieren. Dafür haben sie mithilfe des in Vectorworks vorhandenen Gefälle-Werkzeugs und des integrierten grafischen Scripting-Tools Marionette eigene Oberflächen- und Bordsteinobjekte erstellt. Diese Objekte, die komfortabel an Entwurfsänderungen der Höhe oder Lage angepasst werden können, ermöglichten die Modellierung eines vollständig attributierten 3D-BIM-Fachmodells der Freianlagen.

Da bei diesen selbst erstellten Objekten die 2D-Darstellung analog zu den Wand- und Deckenobjekten des Hochbaus fehlt, haben scape Landschaftsarchitekten das 3D-Modell der Freianlagen in eine 2D-Zeichnung des Lageplans referenziert und die Oberflächen an das 3D-Modell angepasst.

Die einzelnen Bauelemente werden dabei anhand einer Baugruppenkennzeichnung analog den Kostengruppen der DIN 276:2008 strukturiert. Das Modell wird dann über die IFC-Schnittstelle nach Desite MD übertragen. Innerhalb von Desite MD werden aus den Baugruppenkennzeichen mithilfe von Python-Skripten die Bauwerksstruktur und ein Anlagenkennzeichnungssystem entsprechend der Werksnormen der Viega erzeugt. Des Weiteren werden die fachspezifischen Attribute mit einer Attributstabelle den Baugruppen zugeordnet; sind die Attributswerte im IFC-Import enthalten, werden diese übernommen, fehlende Attribute können in Desite MD ergänzt werden.

Aktueller Planstand für jeden einsehbar

Die so strukturierten und attributierten BIM-Fachmodelle der verschiedenen Gewerke werden dann vom BIM-Planer zu einem Koordinationsmodell zusammengeführt und mittels automatisierter Prüfroutinen auf Kollisionen und Vollständigkeit überprüft. Alle BIM-Modelle im IFC-Format wie auch im CPA-Format von Desite MD stehen allen Planern in einem cloudbasierten BIM-Dokumentmanagementsystem zur Verfügung. Somit ist jeder Planer in der Lage, den aktuellen Planstand aller Gewerke zu sichten oder bei Bedarf das jeweilige IFC-Fachmodell in sein CAD-Programm zu referenzieren.

Pionier im Bereich BIM und Landschaftsarchitektur

Von besonderer Bedeutung ist der Detaillierungsgrad des BIM-Modells, da er einen erheblichen Einfluss auf die Bearbeitbarkeit des Modells innerhalb der CAD-Software hat. Für die BIM-Methodik ist nicht das fotorealistische 3D-Modell entscheidend, sondern vielmehr die Daten, die mit der Geometrie verknüpft sind. Es ist also vollkommen ausreichend, wenn die dreidimensionalen BIM-Objekte in Abmessung und Lage dem realen Bauelement entsprechen.

Diese Detaillierungstiefe entspricht der klassischen Entwurfsplanung nach HOAI. Alle weiteren Informationen die zum späteren Bauprozess benötigt werden, können dem BIM-Objekt auch als zweidimensionale Detailzeichnungen in Desite MD angeheftet werden. Gleiches gilt für Dokumente die während des Bauprozesses als Abnahmeprotokoll erzeugt oder im Rahmen des Gebäudemanagements in Form eines Wartungsprotokolls archiviert werden. Das BIM-Objekt wird dadurch zu einem Container, der über den gesamten Lebenszyklus des realen Bauelements alle anfallenden Daten strukturiert und archiviert.

Durch die Mitarbeit am Viega Seminarcenter sind scape Landschaftsarchitekten Pioniere in komplexen Prozessen der BIM-Methodik in der Landschaftsarchitektur. Zurzeit wird das BIM-Koordinationsmodell als Grundlage der Angebotserstellung für interessierte Generalunternehmer vorbereitet. Bis zur Eröffnung des neuen Viega Seminarcenters werden weitere BIM-Prozesse realisiert und am realen Projekt erprobt. Dabei zeigt sich, dass ein gewerkeübergreifender BIM-Workflow nur als BIG Open BIM sinnvoll zu realisieren ist.

scape Landschaftsarchitekten

Das Büro scape Landschaftsarchitekten wurde 2001 von Matthias Funk, Hiltrud M. Lintel und Rainer Sachse in Düsseldorf gegründet. Für ihre Auftraggeber bearbeiten sie mit einem jungen und engagierten Team in Kooperation mit Städtebauern, Architekten, Ökologen und Kommunikationsdesignern überwiegend objektplanerische Gestaltungen städtischer Freiräume. Die aktuellen Projekte reichen vom Masterplan für ganze Stadtteile über Objektplanungen für Parkanlagen, Fußgängerzonen, Plätze und Straßenzüge bis hin zur Detailplanung eigener Stadtmöbelsysteme.

www.scape-net.de

scape Landschaftsarchitekten: (v. l. n. r.) Hiltrud M. Lintel, Matthias Funk, Rainer Sachse
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